Geschichte

Die Existenz des Olivenbaumes ist seit der Antike bekannt. Ursprung und Anbau gehen jedoch zurück bis in die prähistorischen Epochen. Welche Wege aber die Verbreitung des Olivenbaums während dem Verlauf der Jahrhunderte genommen hat, kann uns niemand mit Sicherheit sagen.

Einige vertreten die Ansicht, dass der Olivenbaum aus dem Mittelmeerraum kommt. Fischer erwähnt jedoch, dass die Olive aus dem Nordosten Indiens stammt, wo die Spezie Olea in einer Anzahl verschiedener Arten vorkommt, und über den Iran in den östlichen Mittelmeerraum gelangte. Acerbo, ein italienischer Agrarwissenschafter, führt an, dass das Olivenöl erstmals von den Simiten verwendet wurde, die südlich des Kaukasus und westlich der Berggebiete in Küstennähe lebten. De Candolle, ein Schweizer Naturwissenschafter und Botaniker jedoch sagte, dass der Olivenbaum seit 4000 vor Christus bekannt ist und seine Heimat wahrscheinlich Syrien ist. Zudem vertrat De Candolle die Ansicht, dass die Griechen den Olivenbaum im Altertum unabhängig von den Simiten angebaut hatten, und das weil, wenn die Griechen die Kultivierung des Olivenbaums von den Simiten gelernt, sie dann auch den simitischen Namen der Olive gebraucht hätten (zait). Im Gegenteil, die Griechen brauchten den Namen Olive (Elea oder Elaia), der in allen nördlichen Küstenregionen des Mittelmeerraumes vorherschte. Möglicherweise breitete sich der Olivenbaum gleichzeitig auch in den übrigen westlichen, nördlichen und südlichen Mittelmeerregionen aus.

Camps, der sich auf Analysen aus Kohle und Pollen bezieht, behauptet, dass in iberisch-mauretanischen Gegenden Nordafrikas wilde Olivenbäume aus dem 12. Jahrtausend gefunden wurden.

Im Alten Testament heisst es, dass Noe während der Sintflut eine Tauben aus seiner Arche losfliegen lies, und als sie dann mit einem Olivenzweig, dem Symbol des Friedens, im Schnabel zurück kam, wusste Noa, dass die Sintflut dem Ende zuging. “Gegen Abend kam die Taube zu ihm zurück, und siehe da: In ihrem Schnabel hatte sie einen frischen Olivenzweig. Jetzt wusste Noach, dass nur noch wenig Wasser auf der Erde stand.” (Genesis 8,11).

Der Mythologie zufolge hat Kekropas den Olivenbaum aus Ägypten und Herkules von den Donauufern in das antike Olympia gebracht. Eine andere Sage sagt, dass der veredelte Olivenbaum ein Geschenk der Göttin Athene war, da sie aus einem Streit mit dem Gott Poseidon als Siegerin hervorging. Der Göttin Athene zu Ehre erhielt die neuerbaute Stadt den Namen Athen. Auf dem Felsen der Akropolis steht heute noch ein Olivenbaum, der an die Sage erinnert. Im Antiken Griechenland hatten der Olivenbaum und die Olive einen wichtigen Platz sowohl in der Ernährung der Bevölkerung wie auch in der lokalen Wirtschaft. Die Bedeutung und der Wert des Olivenbaums und des Olivenöls wird u.a. von Sophokles im Ödipus auf Kolonos gepriesen.

Die Anwendung und der Gebrauch waren vielseitig:

Die Frucht und das Öl waren geniessbar

Öl und Olivenzweige kamen anlässlich sportlicher Tätigkeiten zur Anwendung: Die Athleten salbten ihren Körper mit Olivenöl ein und als Auszeichnung erhielten sie einen Olivenzweig

Religiöse Zeremonien (Trankopfer im Altar)

Therapeutische Anwendung: Im Hippokrates Code der Medizin werden 60 pharmazeutische Wirkungen des Olivenöls erwähnt

Herstellung von Düften und Kosmetika

Für Lampen

Als Heizung verbrannte man das Holz des Olivenbaumes

In der Kunst: Vielseitige Abbildungen von Olivenbäumen, Olivenzweigen und Oliven auf Amphoren und Statuen

Im Alltag: Münzen mit der Göttin Athene, deren Haupt ein Kranz aus Olivenzweigen schmückt.

In alten Schriften steht, dass Solonos (einer der Gesetzgeber im antiken Griechenland) ein Gesetz einführte, das das Fällen von Olivenbäumen verbot. Im Gegenzug forderte er die Bürger auf, neue Olivenbäume zu setzen, da der Olivenbaum als heiliger Baum und als Symbol des Lebens, der Weisheit und des Wohlstandes betrachtet wurde. Auch Aristoteles beschreibt in seinem Werk “Der Staat der Athener” (Athenaion politeia) den Reichtum an Olivenbäumen in Athen. Plinios- Schriftsteller und Arzt – erwähnt erstmals die Ölpresse und empfahl den Bürgern, dem Öl wohlriechende Kräuter hinzufügen. Die Olive wurde in vielen Regionen Griechenlands angebaut, u.a. auch auf den Inseln Milos, Samos, Euböa, usw.. Der Anbau nahm im 5. Jahrhundert vor Christus grosse Ausmasse an (im goldenen Jahrhundert des Perikles) und Athen war gemäss Irodotos das Zentrum des Olivenanbaus.

Der Name des Olivenbaum

Der Olivenbaum gehört zur Familie der Oleaceae, die mehr als 25 Unterarten aufweist. Der wissenschaftliche Namen ist Olea europaea und man unterscheidet die Olea europaea var. europaea (echter Olivenbaum) und die Oleae europaea, var. sylvestris (wilder Olivenbaum). Der botanische Name ist Olea europea. Der “echte Olivenbaum” ist der einzige der Familie Oleaceae, der eine essbare Frucht gibt. Der Olivenbaum ist eine immergrüne Pflanze, wird 5 - 20 Meter hoch und mehrere Hundert Jahre alt.